Schweizerischer Verband der Akademikerinnen
Association Suisse des Femmes Diplômées des Universités

Jubiläumsfeier 90 Jahre SVA 1924-2014

Rückblick von Elsbeth von Navarini, Kassierin SVA

Die Jubiläumsfeier 90 Jahre SVA fand am 17.Mai 2014 im ehrwürdigen Basler Grossratssaal statt.  Nach einem musikalischen Auftakt des Frauen-Ensembles Singvoll, das die Feier von klassisch sanft bis jazzig wild begleitete, begrüsste die ehemalige  Präsidentin Verena Welti knapp 100 Mitglieder und Gäste, u.a. die Verbandspräsidentinnen der Akademikerinnen Deutschlands und Österreichs, Dr. Patricia Aden und Dr. Elisabeth Györfy, die IFUW-Direktorin Danièle Castle sowie die Sponsoren des Anlasses: Bank La Roche AG, Kanton Basel-Stadt, OCI GmbH und einige Mitglieder. Der Geburtstag sollte mit einem kurzen Panorama der SVA Geschichte gefeiert werden, mit einem Blick auf die Anfangszeit, die Höhepunkte der Gegenwart und die Zukunftsaussichten. Denn die Deutung der Gegenwart und die Erwartung an die Zukunft bemessen sich auch aus gemachten Erfahrungen, die in der Vergangenheit liegen.

Eröffnet wurde die Feier mit dem Referat von Danièle Kaufmann Extermann  „Wir Zwerginnen stehen auf den Schultern von Riesinnen“, das aufzeigte, wie die  Genfer Pionierinnen den Zugang der Frauen an die Universitäten und in akademische Berufe erkämpften. Von Genf ging auch der Impuls zur Gründung unseres Schweizer Verbandes aus.

Einige Meilensteine der Anfangszeit:

1872

Zugang zur Uni Genf für Frauen dank Petition von Marie Goegg-Pouchoulin

1900

Maturität für Frauen wird möglich an Knabengymnasium

1919

IFUW Kongress in Genf, 500 Delegierte aus 33 Länder

1922

Gründung  der Höheren Töchterschule mit Maturität in Genf

1923

Gründung  des Genfer Verbandes der Akademikerinnen im November 1923

1924

Am 22. März 1924 wird der Schweizerische Verband der Akademikerinnen in Bern gegründet. Erste Präsidentin: Nelly Schreiber-Favre. Im Juli in Oslo: Aufnahme des SVA in die IFUW

Es waren starke Zeiten vor 90 Jahren, vieles hat man erreicht, aber die Thematik der Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Ausbildung und Beruf hat nichts von ihrer Relevanz verloren.

Höhepunkte und Errungenschaften der Gegenwart aus der Sicht ehemaliger Präsidentinnen wurde an einer von Verena Welti moderierten Table Ronde präsentiert. Hier einige Schwerpunkte der letzten Präsidien, die deutlich machen, dass jede Präsidentin je nach Ausbildung, Interesse und Erfahrung, aber auch je nach Situation, unterschiedliche Akzente setzte, die gleichen Probleme aus ihrem Blickwinkel neu formulierte, im neuen Kontext mit neuen Argumenten:

Franziska de Souza
(1992-1995)

Stellungnahme zur Neuen Maturität, Statutenrevision (1993), Überführung des Stipendienfonds in eine Stiftung des SVA

Marise Paschoud
(1995-1996)

Vorbereitung des 5. Frauenkongresses 1996 in Bern, Anhebung des Jahresbeitrages, um Sekretariat zu schaffen.

Catherine Bandle
(1996-2002)

Förderung der Wahl von  MINT-Fächern, SWIN, Studentinnen-Förderprogramme, Studie und Referat an IFUW-Kongress 2007 in Manchester über die „Gläserne Decke“.

Ursulina Mutzner
(2002-2008)

Stellungnahmen zu Revision des  Arbeitsgesetzes,  zu Frauenhandel und Zwangsprostitution , zu Stammzellenforschung und in-vitro-Fertilisation. Tagungen in Bad Ramsach.  Networking.

Verena Welti
(2008-2014)

Einstieg in Beruf für Studentinnen: Kurs mit Femwiss und Femdat an der Uni Zürich. DACH Treffen und Gründung  von FRABELUS, dem französischen Pendant.  Publikation der Verbandsgeschichte: Biederfrauen oder Vorkämpferinnen von Bettina Vincenz. Verbandsinterne Umfrage über Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Workshop am IFUW-Kongress 2013 in Istanbul

Einen Blick in die Zukunft warf Danièle Castle, Direktorin des IFUW mit ihrem Referat „IFUWs 2. Jahrhundert“.  Der neugewählte  IFUW-Vorstand sowie die Direktorin wurden am IFUW-Kongress 2013 in Istanbul damit beauftragt, die IFUW  neu zu positionieren, um ihr Überleben langfristig zu sichern. Das bedeutete zuerst einmal  eine Professionalisierung des Genfer Büros mit der Einstellung von Spezialistinnen in Kommunikation,  PR und  Marketing. Resultat ist ein neuer Auftritt mit starker Präsenz im Netz, vermehrter  Pflege des Beziehungsnetzes,  vor allem mit den nationalen Mitgliedern,  verstärktes politisches Lobbying mit Konzentration  auf die spezifische Mission der IFUW, sowie Kontaktnahme mit  externen Sponsoren. Doch eines ist klar: Das Überleben der IFUW im zweiten Jahrhundert kann nur gelingen, wenn die Neuorientierung von den über 60 nationalen Verbänden mitgetragen wird.

Ein reichhaltiger Apéro im Vorraum des Grossratssaals rundete die Jubiläumsfeier ab und  bot die Möglichkeit der Begegnung und des Gesprächs.  Abschluss der Feierlichkeiten war das Festessen im Hotel Merian-Café Spitz am rechten Rheinufer mit prächtigem Blick auf Rhein, Altstadt und Münster.  Umrahmt wurde das Galadiner von  einem interessanten Referat über die Frauenbewegung des Rektors der Universität Basel,  Prof. Dr. Antonio Loprieno,  und dem gekonnten Auftritt von Kindern des Bürgerlichen Waisenhauses, die kostümiert  und  von  Tambouren, Bannerherren und dem Ueli mit der Sammelbüchse begleitet,  den historischen  Tanz des Vogel Gryffs, des Wilden Maa und des Leu darboten.

Insgesamt eine sehr gelungene Geburtstagsfeier der 90 Jahre SVA!

Zutritt nur für Frauen! Frauennetzwerke heute

Öffentlicher Anlass des SVA im Rathaus Basel, 17. Mai 2014

Rückblick von Anita Haldemann, Präsidentin SVA

Unter dem provokativen Titel «Zutritt nur für Frauen!» haben wir am Nachmittag des 17. Mai eine öffentliche Veranstaltung mit Vortrag und Podiumsdiskussion organisiert. Wir wollten unser Jubiläum damit auch in die Öffentlichkeit tragen und auf die wichtige Rolle, die wir als Frauennetzwerk spielen, thematisieren.

Sylvie Durrer, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann hielt die Eröffnungsrede. Mit beeindruckenden Zahlen legte sie dar, dass die berufliche Gleichstellung auch bei Akademikerinnen längst nicht erreicht ist. Sie ermutigte zum politischen Engagement, was für den SVA einerseits die Teilnahme an Vernehmlassungsverfahren des Bundes sein kann, aber auch in Form des Lobbying im Bundeshaus, das nur zu einem kleinen Teil von Frauen in Anspruch genommen wird.

Nicoline Scheidegger, Dozentin und Leiterin Forschungsprojekte an der ZHAW, referierte über « Strong Ties oder Weak Ties? Sozialkapital durch Netzwerkeinbettung» und legte dar, dass Frauen auch im Netzwerken mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert werden.

Die Podiumsdiskussion mit PolitikerInnen und freiberuflichen sowie akademischen NetzwerkspezialistInnen wurde souverän die von der Journalistin Alexandra Hänggi moderiert. Die Diskussion brachte zum Ausdruck, dass das gezielte Netzwerken unabdingbare Knochenarbeit ist, die lernbar ist, die aber auch spielerisch ausgeübt werden kann.  Gerade bei Frauennetzwerken, die eine wichtige Funktion haben, ist es wichtig, dass sich Frauen parallel auch in gemischten Netzwerken engagieren.



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